Im Rahmen der digitalen Clusterkonferenz sind am 12. November 2020 drei Unternehmen mit dem „Brandenburger Innovationspreis“ 2020 im Cluster Metall ausgezeichnet worden: Die Unternehmen teilen sich ein Preisgeld von 10.000 Euro.

ABB Automation GmbH:

Digitale Services zur Prozessoptimierung
Der bevorstehende Kohleausstieg zwingt die Lausitz zum Strukturwandel. Einerseits ist dieser Wandel mit Unsicherheit und Ängsten verbunden, andererseits eröffnet er den Weg zu neuen Technologien und Geschäftsmodellen. Die ABB Automation GmbH arbeitet daran die Lausitzer Bergbau-Expertise weltweit zu vermarkten und für andere Industriezweige zur Verfügung zu stellen. ABB hat ein DataLab gegründet, in dem ein junges Team aus Datenwissenschaftlern, Bergbauingenieuren und Studierenden an Algorithmen und Methoden arbeitet, um Optimierungspotenzial zu identifizieren und auszuschöpfen. Dabei werden moderne Arbeitsmethoden wie Design Thinking mit neuesten Data-Science-Technologien (Big Data, Maschinelles Lernen, Künstliche Intelligenz) verknüpft, um industrielle Datenanalyse zu betreiben und Mehrwert zu generieren. Ein Teil der vom Team entwickelten Methoden fließt in ein innovatives Reporting- und Analyse-Tool, das direkt beim Kunden installiert werden kann. ABB wird mit dem DataLab bisherige Strukturen aufbrechen und vom reinen Engineering und Service hin zum datengetriebenen Service neue Wertschöpfungsstrukturen schaffen – global und lokal. Die entwickelten Algorithmen und Methoden können auf andere Industrien wie die Metall-, Papier- oder Zementindustrie übertragen werden, so dass auch insbesondere in der Lausitz und in ganz Brandenburg der digitale Wandel vorangetrieben werden kann.

Kjellberg Finsterwalde:

Industrie 4.0-fähiger Plasmaschneidanlage „Q“
Mit der neuen Industrie-4.0-fähigen Inverterstromquelle „Q“ wird präzises Plasmaschneiden mit den Anforderungen an eine digitalisierte Produktion möglich. Die Plasmaschneidanlage „Q“ basiert auf einem vollkommen neuen Konstruktionsansatz. Das heißt, dass als reine Inverterstromquelle mit modularem Aufbau kann die Schneidstromstärke nachträglich erhöht, wodurch mit geringem Aufwand eine effektive Anpassung an veränderte Produktionsbedingungen möglich wird. Der Schneidprozess wird dabei durch Echtzeit-Kommunikation aller Komponenten digital gesteuert. Zugleich werden über eine Vielzahl an Sensoren Prozess- und Zustandskennzahlen überwacht, die wiederum durch integrierte Mikroprozessoren sowohl analysiert als auch bewertet werden können. Über die eigens entwickelte browserbasierte Bedienoberfläche „Q-Desk“ werden sämtliche Informationen, beispielsweise Video-Tutorials, auf dem Smartphone, Tablet oder Desktop-PC anwenderfreundlich zur Verfügung gestellt. Neben der Darstellung aktueller Anlageninformationen sind so gezielte Prognosen und vorbeugende Handlungsempfehlungen möglich. Eine permanente Zustandsüberwachung der Komponenten und des Schneidprozesses gehören damit zum Stand der Technik

nxtbase technologies GmbH:

AR Kleinteilelager „Out of the box“
Gerade im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ist Digitalisierung ein großes Thema, aber meistens nicht einfach umzusetzen. Logistik steht am Anfang und am Ende der Lieferkette, aber für die meisten KMU ist Intralogistik nicht die Anwendung, mit der man Digitalisierung startet. Dies wird mit dieser Lösung einfacher und ist ein erster preiswerter, aber effizienter Schritt in Richtung Digitalisierung. Aufbauend auf einer „Kofferlösung“, dem „Out of the box“-High-Tech-Arbeitsplatz hat die nxtbase GmbH ihre bewährte Lösung fürs Lager mit Sensorik und Künstlicher Intelligenz ergänzt. Dabei kommt ein „SmartGlass“ zum Einsatz – eine Datenbrille, in der alle relevanten Daten eingespielt werden. In der Praxis wird dem Werker gezeigt, was er wo und in welcher Menge ein- oder auslagern soll und welcher Lagerplatz dafür geeignet ist. „Grün“ hier! „Rot“ hier nicht. Das Besondere an dieser Lösung ist zum einen der einfache Einsatz auch in KMU, zum anderen das schnelle Eingliedern neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Besonders bemerkenswert ist zudem die Mobilität der Lösung, denn diese Innovation bedeutet „Augmented reality“ (AR) auch ohne Anbindung ans Internet.

 

Sonderpreis der Jury

Ingenieurbüro für Konstruktion und Engineering (Plattenburg) mit 3-Achs-CNC-Bausatz für die berufliche Ausbildung von Jugendlichen

Entwickelt, konstruiert und hergestellt wurde eine funktionsfähige 3 Achs CNC Portalfräsmaschine (ca. 1000mmx730mmx450mm) für die Holz- und Kunststoffbearbeitung. Ca. 40% der mechanischen Komponenten stammen aus dem 3D Drucker. Der Systembausatz beeinhaltet die mechanischen und elektronischen Komponenten wie Netzteil und die CNC Steuerungsplatine mit Treiberbausteinen. Die Steuerungs-Software ist Open Source oder kann eine käufliche CAM-Lizenz sein.

Der CNC Bausatz ist so ausgelegt, das für die berufliche Ausbildung Jugendliche den Aufbau und die Funktion von mechanischen Komponeten (XYZ-Achse)erlernen können. Weitere Lerninhalte sind u.a. additive Fertigungsverfahren, DIN gCode Maschinenprogrammierung, CAM Frässimulation und der Aufbau, Funktion und Wirkmechanismen von CNC-Shields mit Inbetriebsetzung (Firmware) Programmierung und Datentransfer. Der NC Bausatz ist erweiterungsfähig und ist für E-Learning auf entsprechenden Plattformen geeignet.

Wesentlicher Bestandteil des Systembausatzes sind definierte Schnittstellen, wobei Jugendliche in der beruflichen Ausbildung (Mechatroniker, Metallberufe etc.), selbständig unter pädagogischer Anleitung die Hardware und freie Software für die CNC Steuerung recherieren, beschaffen und aufbauen können. Die Achsansteuerung der Schrittmotoren kann selbständig praktisch testet und realisiert werden. Hierbei werden erhebliche Lerneffekte generiert wie CAD-CAM-CNC Steuerungscode, DIN gCode Umsetzung, Elektronik, Datentransfer, handwerkliche Fähigkeiten etc..

Die Preisverleihung am 12. November 2020